Leere Kassen trotz getaner Arbeit

Leere Kassen trotz getaner Arbeit

20. Mai 2015
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Unbezahlte Rechnungen können besonders für kleinere Unternehmen existenzgefährdend werden. Ein neues Gesetz soll nun Abhilfe schaffen. Alles Wissenswerte zu dem neuen Paragrafen und in welchen Fällen man trotzdem ein Inkasso Unternehmen einschalten sollte.

Insolvenzen trotz gut gefüllter Auftragsbücher, dieses Problem ist der EU und der Bundesregierung nicht erst seit gestern bekannt. Nach Schätzungen der EU-Kommission sind mehr als die Hälfte aller Unternehmen, deren Existenz gefährdet ist, von Zahlungssäumnissen ihrer Kunden betroffen. Bereits im Jahr 2011 erließ Brüssel eine Richtlinie zur Verbesserung der Zahlungsmoral, die Unternehmen rechtlich besser schützen soll. Anfang Juli dieses Jahres wurde die Richtlinie nun endlich in deutsches Recht umgesetzt. Das „Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr“ soll zu einer neuen Zahlungsdisziplin führen.

Das neue Gesetz im Überblick:

®     Öffentliche Auftraggeber sind verpflichtet, ihre Rechnungen   innerhalb einer Frist von 30 Tagen zu begleichen

®     Für private Auftraggeber gilt eine Frist von 60 Tagen, sofern kein längerer Zeitraum ausgehandelt wurde

®     Abnahmefristen dürfen 15 Tage nicht überschreiten

®     Bei Verzug ist eine Pauschale von 40 Euro zu entrichten

®     Der Verzugszins erhöht sich auch 9 %

Höhere Liquidität von Unternehmen der Baubranche

Die Resonanz auf das neue Gesetz ist von Branche zu Branche unterschiedlich: Der Einzelhandel kritisiert das neue Gesetz, hier waren bislang Zahlungsfristen von 90 Tagen üblich. Die Baubranche hingegen begrüßt das neue Gesetz. Hier werden vom Arbeiterlohn bis hin zum Material große Vorleistungen erbracht. Ist das Material einmal verbaut, kann es bei Zahlungsverzug schlecht wieder mitgenommen werden. Dies führt dazu, dass insbesondere kleine Unternehmen auf die zügige Bezahlung ihrer Leistung angewiesen sind.

Baustelle

Schwächen und Schlupflöcher

Das Hauptproblem wurde erkannt, doch das Gesetz zeigt immer noch erhebliche Schwächen und Schlupflöcher. In der Baubranche mit ihrem komplizierten Geflecht aus Groß- und Subunternehmen kann es immer noch dazu kommen, dass die neuen Fristen einfach umgangen werden. Bei der Bauabnahme werden vermeintliche Mängel festgestellt und Zahlungen können immer weiter aufgeschoben werden.

Vorsicht ist paradoxerweise bei staatlichen Aufträgen geboten: Geld fließt in der Regel immer, die Frage ist nur wann? Eine Umfrage des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe aus dem Jahr 2012 zeigt, dass ein Großteil der Befragten die Zahlungsbereitschaft nur als befriedigend bis sehr schlecht einschätzt. „Die aktuelle Umfrage des ZDB hat abermals bestätigt, dass sich die Zahlungsmoral am Bau in den letzten Jahren leider nicht verbessert hat. Insbesondere die öffentliche Hand kommt ihren Zahlungsverpflichtungen nicht rechtzeitig nach“, warnt Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes Felix Pakleppa. Es bleibt abzuwarten, ob das neue Gesetz diese Problematik abmildern kann.

Zusätzlich befürchten viele Anwälte und Inkasso Unternehmen, dass nicht etwa die Zahlungsmoral problematisch ist, sondern die Zahlungsfähigkeit. Wer selbst kein Geld hat, kann auch nichts bezahlen. Das beste Gesetz kann in diesem Fall nicht helfen.

Wann man ein Inkassounternehmen beauftragen sollte

Die Erfahrung zeigt, dass ein Unternehmen von vornherein kurze Zahlungsfristen setzen sollte: So wird die Rechnung meist sofort beglichen und kann gar nicht erst in Vergessenheit geraten. Bezahlt ein Kunde seine Rechnung trotzdem nicht, sollte konsequent gehandelt werden:

  1. Zunächst muss ein Unternehmen selbst den Überblick behalten! Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Zahlungseingänge.
  2. Bei überfälligen Rechnungen reicht meist eine freundliche Erinnerung. Etwas vergessen kann ja jeder einmal! Per Post sollte man dem Kunden eine neue Rechnung mit baldigem Zahlungsziel zusenden.
  3. Wird die Rechnung nun immer noch nicht bezahlt, kann eine Mahnung geschickt werden. Ab diesem Zeitpunkt ist es für ein Unternehmen empfehlenswert, sich an ein seriöses Inkasso Unternehmen zu wenden. Dieses kann sich nun weiter professionell um das Forderungsmanagement kümmern.

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